Verzweiflung oder Lebensfreude

Verzweiflung oder LebensfreudeLebensfreude kommt von innen.

Das, was wir von außen an Lebensfreude versuchen, in unser Leben zu bringen, ist vergleichbar mit einem Feuer, das uns eine Zeit lang wärmt, dann aber irgendwann auch niedergebrannt ist. Und dann müssen wir für Nachschub an Brennmaterial sorgen, bis es wieder niedergebrannt ist. Ein Hamsterrad. Die nächste Party, der nächste Erfolg, die nächste Goldmedaille.

Irgendwann spüren wir, dass die Kraft weniger wird, das Heranschleppen von neuem Brennmaterial immer mühsamer wird, und es stellt sich Trauer, Verzweiflung, Wut, Angst, Hilflosigkeit ein.

Lebensfreude kommt von innen.

Sie können ganz allein in Ihrem Sessel, in Ihrem Wohnzimmer erfüllt sein von Lebensfreude, ohne irgendeinen äußeren Anlass. Einfach nur voller Freude an sich und Ihrem einzigartigen Leben. Wir alle haben diese Fähigkeit. Bei kleinen Kindern ist es wunderbar zu beobachten, wie sie schon als Baby sich einfach freuen – einfach nur freuen. Manchmal weinen sie auch, aber meistens freuen sie sich einfach. Strahlen jeden an, der am Körbchen vorbeikommt, greifen bald nach ihren Füßchen beschäftigen sich mit ihren Fingerchen und freuen sich selbstvergessen an sich selbst, an ihrem Leben. Und diese Lebensfreude schwappt über: Mama lächelt zurück, Oma kann sich vor Begeisterung nicht halten und selbst Opa, dem das Leben so arg mitgespielt hat, wird ein Lächeln ins Gesicht gezaubert.

Und dann irgendwann auf unserem Weg in ein Erwachsenenleben vergessen wir diese tiefe Lebensfreude, die eine unserer wundervollsten Fähigkeiten ist. Wir beginnen, uns über Leistung zu definieren. Wir fühlen uns bewertet, ja mitunter sogar entwertet, abgelehnt und um von den anderen wieder geliebt zu werden, verformen wir uns. Wir werden zu der Person, von der wir denken (!), dass sie von den anderen geliebt wird. Wir entfremden uns uns selbst und spielen Rollen.

Viele Dramen in meiner Praxis spielen genau in diesem Gebiet: „Ich-tue-das-nur-für-Dich“. Und am Ende dieser großen „Nur-für-Dich“-Geschichte …
… für die Firma.
… für den Chef.
… für die Ehefrau.
… für die Oma … am Ende steht tiefe Verzweiflung.

Dabei geht es um „Ich-tue-es-für-mich“.

Das Baby ist von sich selbst und seinem Leben begeistert.

Es nimmt sich selbst und das, was es vom Leben erfährt, so wie es ist.

Es lernt erst im Laufe der ersten Monate und Jahre etwas über „Leistung“, „Anspruch“, „Urteil“, „Müssen“. Je nachdem, was es da lernt, verlernt es seine ursprüngliche Lebensfreude.

Lebensfreude ist der Moment.

Der Moment, wo Sie spontan am Strand die Schuhe ausziehen und lachend ins Wasser laufen. Der Moment, wo Sie sich spontan auf einem Spaziergang auf die Erde setzen, die Sonne genießen, den Vögel lauschen. Der Moment, wo Sie alleine Zuhause im Sessel einfach nur lächeln und tief einatmen und erfüllt sind.